Das gesamte Orgelwerk in einer Woche
Blick auf Musik und Mensch
Franz Liszt (1811-1886) zählt zu den wichtigsten Musikern des gesamten 19. Jahrhunderts. Im Allgemeinen insbesondere als überragender Klaviervirtuose und -komponist bekannt, seien seine in diesem Jahr gleich zwei „halbgeraden“ Jubiläen Anlass, diesen ungemein vielschichtigen Menschen näher in den Fokus zu nehmen: als geistigen Vater einer „Neuen deutschen Orgelschule“, als Schöpfer großformatiger Sakralwerke wie Messen oder Oratorien – und nicht zuletzt als durch den Tod gleich zweier Kinder gebrochene Persönlichkeit.
Franz Liszt in einer Photographie, ein halbes Jahr vor seinem Tod
Dabei steht ein eine Seite umfassendes Werk „Resignazione” gleich mehrfach symbolhaft für seine späten Jahre: er wollte einer seinerzeitigen Erneuerungsbewegung der Kirchenmusik starke Impulse versetzen und schuf mit Werken wie der „Via crucis” oder der Missa choralis so anspruchsvolle wie handwerklich meisterhaft ausgefertigte wie vor allem tief berührende Werke.
„Resignazione" in der Liszt-Ausgabe von 1978
Erleben zu müssen, wie aber schlussendlich deutlich weniger fähige, doch in den kirchlichen Strukturen wesentlich besser vernetzte Komponisten unter dem veredelnden Begriff des Cäcilianismus weitgehend belanglose Musik schrieben, die sich seinerzeit zwar großer Beliebtheit erfreute, längst und zurecht aber dem Vergessenwerden anheimfiel, bedeutete einen weiteren Schlag für ihn, einen Schlag, der eben sein Echo in jener rätselhaften, in E-Dur beginnenden und aber einstimmig in die tonale Leere führenden „Resignazione” fand…
Kurzum: ob höchst anspruchsvoll wie im halbstündigen “Ad nos, ad salutarem undam”, ob aufs Extrem komprimiert wie in einem einseitigen „Gebet” – Liszt lohnt.
Piano-Orgue

In den 1850er-Jahren verfügte Franz Liszt über ein höchst innovatives Instrument: als "Piano-Orgue" war ein Erard-Konzertflügel auf ein zweimanualiges Pedalharmonium der renommierten Firma Alexandre et Fils gebaut.
Übersicht über die Veranstaltungen
Montag, 19. Oktober 2026, 19.30 Uhr
ORGELABEND
Liszt und Bach
Präludium und Fuge über BACH; Schlusschor und Fuge zur Kantate „Wir hatten viel Bekümmernis“; Präludium „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (1859) u.a.
Dienstag, 20. Oktober 2026, 19.30 Uhr
GEISTLICHE ABENDMUSIK
Musikalisches Marienlob
Ave Maria; Salve Regina; Ave Maria d’Arcadelt; Regina coeli laetare (di Lasso) u.a.
mit Dompropst Msgr. Dr. Michael Dörnemann
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19.30 Uhr
DIMENSION DOMORGEL III
Liszt kammermusikalisch
Offertorium und Benedictus aus der „ungarischen Krönungsmesse“; „Hosanna!“, „Cujus animam“ aus dem „Stabat Mater“ von Rossini, Symphonische Dichtung „Orpheus“ u.a.
mit Daniel Bell, Konzertmeister der Essener Philharmoniker, Violine
und Prof. Frank Szathmáry-Filipitsch, Posaune
Donnerstag, 22. Oktober 2026, 19.30 Uhr
GESPRÄCHSKONZERT AUF DER ORGELEMPORE
Das verstummende Spätwerk für Orgel
Requiem; Gebet; Am Grabe Richard Wagners; „Nun danket alle Gott“ u.a.
Freitag, 23. Oktober 2026, 19.30 Uhr
GEISTLICHE ABENDMUSIK
Mit keiner anderen Stimme als der des Herzens
Via crucis und weitere Sakralwerke
mit Dompropst Msgr. Dr. Michael Dörnemann
Samstag, 24. Oktober 2026, 19.30 Uhr
ORGELABEND
Liszt in eigenen Bearbeitungen
Einleitung, Fuge und Magnificat zu Dantes Inferno; Der Papst-Hymnus; Einleitung zur Legende der heiligen Elisabeth u.a.
Sonntag, 25. Oktober 2026, 10.00 Uhr
KAPITELSAMT
Franz Liszt: Missa pro Organo
„Ave verum“ (Mozart), San Francesco; Kirchliche Fest-Ouvertüre „Ein feste Burg“ (Nicolai)
Der Eintritt zu den Veranstaltungen der Liszt-Woche ist frei
Spenden zugunsten der Orgelkonzerte am Essener Dom erbeten
Die Konzerte finden mit Videoübertragung statt
Zu den Konzerten ist kein Einlass nach Beginn mehr möglich
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