Marienvesper, September 2025
An den vergangenen Wochenenden konnten wir erleben, wie aus einer Chorbegegnung mehr werden kann - mehr Freundschaft, mehr Freude und mehr Musik.
Bereits seit Anfang des Jahres bereiteten sich die Knabenchöre aus Paderborn (Paderborner Domchor), Münster (Capella Ludgeriana) und Essen (Essener Domsingknaben) auf ein großartiges Gemeinschaftsprojekt vor.
Der Plan war einfach, drei Knabenchöre, drei Städte, drei Konzerte, ein Stück - die Marienvesper von Claudio Monteverdi.
Zunächst probten wir das Stück alleine und nur mit unserem Chorleiter Harald Martini am Klavier. Die Probenarbeit war oft mühselig, da die vielen unbekannten Rhythmen, Contrapunkte und Melodien einzeln nicht sehr eingängig zu sein schienen. In Münster und Paderborn erging es den Sängern unter der Leitung der Chorleiter Alexander Lauer und Thomas Berning vermutlich ebenso.
Einen ersten Einblick in den möglichen gemeinsamen Klang erhielten wir beim gemeinsamen Probenwochenende im Jugendhaus Hardehausen Anfang Mai diesen Jahres. Plötzlich ergaben Teile der Musik Sinn. Das Probenwochenende zeigte uns allen aber auch klar auf, wo wir alle und jeder einzelne Chor noch dran zu arbeiten hatte. Neben der Musik kam auch die Gemeinschaft an diesem Wochenende nicht zu kurz.
Die Chorgemeinschaften kannten sich zwar schon von verschiedenen Pueri Cantores Festivals wie Münster, Paderborn, Rom und zuletzt dem Knabenchor Festival in Essen, aber einen so direkten Austausch hat man wohl doch erst, wenn es ein direktes Aufeinandertreffen gibt.
Bis zu den Sommerferien und darüber hinaus wurde weiter an Monteverdis Marienvesper geprobt.
Am Wochenende, 20.09.25 - 21.09.25 stand nun endlich das erste Konzert an. Für uns Essener fing die Vorbereitung schon am Samstagmorgen um 9:30 Uhr auf dem Weg nach Paderborn an. Endlich in Paderborn angekommen lief der gesamte Chor im Gänsemarsch in die gleiche Jugendherberge wie schon vor 6 Jahren beim Pueri Cantores Festival.
Nach einer kurzen Einrichtung der Zimmer gingen schon die Proben los. Nach 3 Stunden intensiven Probens gab es eine lang ersehnte Pause in Form des Abendessens. Gestärkt und voller Energie gab es noch eine Abendprobe. Den Tagesabschluss verbrachten alle etwas unterschiedlich, die einen ruhten früh, um sich auf das Konzert körperlich und mental vorzubereiten. Die anderen genossen lieber noch einen lustigen und bierfreudigen Abend in der Gemeinschaft der Mitsänger.
Am nächsten Tag ging es schon um 8:30 Uhr mit einem leckeren Frühstück los. Hier wurden auch die Lunchpakete für später erstellt. Um 10:00 Uhr begann die Korrekturprobe in der Marktkirche. Nach einer anstrengenden Probe gab es zum Mittagessen Pizza und selbstgebackene Kuchen. Eine hungrige Meute Jungen und junge Männer satt zu bekommen, ist gar nicht so einfach und so musste gleich dreimal Pizza nachbestellt werden, bis endlich alle satt waren. Mit vollen Mägen und voller Tatendrang begann die letzte Anspielprobe für die Chöre bis schließlich um 16:00 Uhr das Konzert begann. Insgesamt war das Konzert grandios und wurde mit lautem Beifall gefeiert. Nach dem Konzert blieb jedoch kaum Zeit für lange Verabschiedungen, da wir schnell zum Bahnhof mussten. Glücklicherweise fuhren wir mit der Gewissheit nach Hause, dass es bereits in der nächsten Woche weitergehen würde. Schließlich kamen wir nach 2 Stunden voller Sehnsucht und Euphorie gesund und munter in Essen an.
Nach einem sehr erfolgreichen Konzert am vorherigen Wochenende in Paderborn, starteten wir ein wenig angeschlagen und dezimiert, aber trotzdem mit großer Vorfreude auf die anstehenden Konzerte in Münster und Essen, in die Probenwoche.
Da in den ersten Tagen viele Sänger krankheitsbedingt fehlten, war die Freude umso größer, als sich am Samstagmittag fast alle wieder zurückmeldeten und wir gemeinsam die Reise von Essen nach Münster mit dem Zug antraten.
Am Hauptbahnhof angekommen, war der Weg bis zum Münsteraner St.-Paulus Dom nicht mehr weit, den wir nach einer kurzen spontanen Stadtführung von Herr Martini zu den Sehenswürdigkeiten der Domstadt, dann auch erreichten.
Gegen 13:30 Uhr begann die Anspielprobe mit Orchester, Solisten und den drei Knabenchören. Dabei wurden noch einige kleine Anpassungen im Vergleich zum Konzert in Paderborn vorgenommen. Nach dem gelungenen Abschluss der Generalprobe verabschiedete uns Herr Berning, Chorleiter des Paderborner Knabenchores, in die wohlverdiente Mittagspause. Dank der Eltern des Münsteraner Chores konnten wir bei bestem Wetter eine Auswahl an Backwaren, Obst und Kuchen genießen.
Frisch gestärkt versammelten sich alle Sänger anschließend in den Chorräumen, um sich umzuziehen. Nach einer motivierenden Ansprache unseres Chorleiters waren alle mental eingestimmt, einem gelungenen Konzertabend stand somit nichts mehr im Wege.
Es war für alle Sänger ein besonderes Erlebnis, im voll besetzten St.-Paulus Dom Monteverdis große Marienvesper aufzuführen. Die Begeisterung war im Publikum spürbar, und auch die Chorleiter zeigten sich sehr zufrieden mit unserer Leistung. Ein zufälliges, aber sehr willkommenes Extra war die Beleuchtung des Doms. Die Show Luminiscence gastiert zurzeit in Münster und leuchtete den Dom mit wunderbaren Lichtfarben während unseres Konzertes aus.
Während die Knaben des Paderborner Domchores, nach dem langen Tag direkt bei uns Essenern in den Gastfamilien einquartiert wurden, um sich für das Konzert in Essen genügend auszuruhen, ließen die Männerstimmen in gewohnt munterer und gesangsfreudiger Atmosphäre den mehr als gelungenen Tag bei Pizza und Kaltgetränken ausklingen.
Marienvesper in Essen
Nach einer, für Einige kurzen Nacht, trafen sich die Männerstimmen zum Aufbau des Konzertes im Dom. Die Podeste waren bereits mit einem Transporter zum Dom gebracht worden. Nun hieß es Auto abladen, Lichter aufbauen, Notenständer und Stühle stellen und Podeste zusammenbauen und aufbauen, jeder hatte eine Aufgabe und im Handumdrehen war der Dom für das Konzert bereit.
Das Einsingen während der Anspielprobe klang in den ersten Minuten noch ein wenig nach Sonntag Morgen 09.00 Uhr vor der Messe, doch nach kurzer Zeit waren alle wach und bereit fürs anstehende Konzert. Während in den Kirchen von Paderborn und Münster eine großer Nachhall zu hören war und wir uns in dem großen Raum gegenseitig gar nicht alle hören konnten, stellte der Essener Dom einen krassen Kontrast dazu dar. Hier, eng gedrängt auf den Stufen vor dem Altar konnten wir uns plötzlich alle gegenseitig hören, vom 2. Bass der Capella Ludgeriana auf der linken Seite, über die 1. Soprane des Paderborner Domchores in der Mitte bis zu den 2. Bässen auf der rechten Seite der Bühne. Und anstatt Raumhall, hatten wir plötzlich „Wohnzimmer-Sound“. Es war ungewohnt, aber spornte auch ungemein an und brachte eine ganz neue Energie in die Musik.
Nach dem Umziehen und einem Stück Streuselkuchen gab es noch eine Ansprache von Herrn Martini zu ein paar Stellen im Stück und zur Atmosphäre im Dom.
Aufgestellt in der Saktristei ging es für alle in einen ausverkauften Dom. Nach zwei kurzen Ansprachen von Dompropst Dr. Dörnemann und Oberbürgermeister Thomas Kufen konnte es endlich losgehen…
Von der ersten bis zur letzten Seite war die dritte und damit letzte Aufführung der Marienvesper Monteverdi‘s ein voller Erfolg.
Wir im Bass hatten sehr viel Spaß dieses Werk aufzuführen und zusammen mit den anderen beiden Chören zu singen.
Eins der absoluten Highlights des Konzertes war sicherlich das „Nisi Dominus“ das verdeutlichte, dass der äußerliche „Wettstreit“ der Männerstimmen nur dazu diente eine intakte Einheit aus drei Chören hervorzurufen, um ein nahezu perfektes Ergebnis zu erzielen und ein „Mehr“ zu schaffen, das die einzelnen Chöre und Stimmen nicht erreichen könnten.
Auch unser Publikum wurde von diesem musikalischen Klang-Epos mitgerissen und konnte sich nach dem Verklingen des letzten Tons nicht mehr auf den Sitzen halten. Minutenlang gab es stehenden Applaus.
Erleichtert und erschöpft nach den drei anstrengenden Konzerten ging es dann für jeden Chor zurück in die jeweilige Heimatstadt. Wir bauten in Rekordzeit und mit großer Effizienz als Team mit den Männerstimmen die Bühne wieder ab, verstauten Lampen und Notenständer und ließen den Dom in friedlicher Stille zurück.
Zum Abschluss des Tages fielen Einige zufrieden und müde direkt in Ihre Betten. Eine kleine Truppe Männerstimmen kümmerte sich noch um die letzten Hopfenkaltschalen und Pommes in der Domsingschule, bevor auch sie satt, zufrieden und müde in ihre Betten fiel, schon in Vorfreude auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen in dieser Konstellation.
Zum Abschluss möchten wir allen Beteiligten und allen, die dieses Gemeinschaftsprojekt möglich gemacht haben, danken.
Danke an unsere Chorleiter, Harald Martini, Alexander Lauer und Thomas Berning für die Idee, Einstudierung und tolle Umsetzung.
Danke an die Domkapitel, bischöflichen Stühle und kirchlichen Einrichtungen der Bistümer Münster, Essen und Paderborn für die finanzielle und organisatorische Unterstützung.
Danke an alle Eltern und freiwilligen Helfer, die für die Konzerte und die Vorbereitung tatkräftig unterstützt haben.
Vielen Dank an das fantastische Johann-Rosenmüller-Ensemble für die tolle musikalische Zusammenarbeit. Und vielen Dank an die wunderbaren Solisten Magdalene Harer, Ina Siedlaczek (Sopran), Elvira Bill (Alt), Georg Poplutz, Nils Giebelhausen (Tenor) und Markus Flaig (Bass).
Ein Beitrag von Aaron, Christian, Florian und Maxim